Wärmebad auf dem Steinofen

Wohlige Wärme zum Entspannen

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Inhaltsverzeichnis:

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Wärmebad auf dem Steinofen

Wohlige Wärme zum Entspannen

Erschienen in "Kachelofen & Kamin", Ausgabe 11/2009

Wärmebad ohne Wärmestress

Die finnische Ur-Sauna mit den auf- gestapelten Steinen ist entgegen der landläufigen Meinung keine Heißluft-sauna. Die aufgeheizten Steine geben die Wärme in Form von Wärmestrahlen ab und erwärmen feste Körper wie Mensch und Holzwände. Die Luftfeuchtigkeit sinkt kaum unter die 30 %-Marke. Im Gegensatz dazu ist die deutsche Sauna ein Heißluftbad, denn der Saunaofen erzeugt kontinu-ierlich Heißluft und der Saunabaden-de befindet sich dann in einer soge-nannten Heißluftkammer. Gerade diese Heißluftbäder zeichnen sich durch eine sehr geringe Luftfeuchtig-keit aus, oft bis zu 2-–5 % Luftfeuchte unter der Decke. Besonders ältere Menschen leiden unter dieser trockenen Luft und bevorzugen Saunen mit niedriger Lufttemperatur und höherer Luftfeuchtigkeit. Hieraus wurden die Biosaunen entwickelt, dabei ist anzumerken, dass die Biosaunen in den Stadtbädern nur von wenigen aufgesucht werden. Die Aufenthaltsdauer in den deutschen Saunen wird bis max. 15 Minuten bei drei Saunagängen empfohlen. Wird das Schwitzbad länger durchgeführt, ist mit Wärmestauungen und Kreis-laufbelastungen zu rechnen. Bei der finnischen Ur-Sauna hingegen, gab es nicht diese Kurzaufenthalte, denn

sogar werdende Mütter haben ihre Kinder in der Sauna zur Welt ge-bracht. Zahlreiche medizinische Untersuchungen haben bewiesen, dass Wärme ein geeignetes Heilmittel ist, Rheuma- und Rückenbeschwerden zu lindern und zu heilen. Das Wärmebad ist jedoch nur dann heilsam, wenn keine Wärmebelastungen beim Baden auftreten oder diese in Form von Wechselbädern mit Kalt- und Warm-reizen angewendet werden.

Erwärmung des menschlichen Körpers durch Wärmezustrahlung

Je nach Liegeposition wird der menschliche Körper von Kopf bis Fuß von der Steinoberfläche angestrahlt. Bei der Bauchlage wird der Körper an der Vorderseite und bei der Rücklage der Rücken erwärmt. Sofern der Köper direkt mit der Steinfläche in Be-rührung kommt, wird ein Teil der Wärme durch Leitung übertragen. Die geringe Wärmeleitfähigkeit verhindert Hautverbrennungen, daher sind höhere Oberfächentemperaturen im Gegen-satz zu Metall noch verträglich. Bei einer Steinoberfächentemperatur über 55 °C ist jedoch ein Holzrost zu em-pfehlen, sodass kein direkter Kontakt mit der heißen Steinfläche mehr zustande kommt.Der Vorteil liegt darin, dass durch die

Wenn es draußen ungemütlich feucht-kalt ist, dann sehnen wir uns nach kuscheliger Wärme. Auch wenn die Räume beheizt sind, zieht es viele aus gesundheitlichen Gründen in ein Schwitzbad wie Sauna, Dampfbad u.ä.
dadurch eine Austrocknung der Haut vermieden wird. Ferner fördert die Zunahme der Schweißverdunstung die Transpiration der Haut und verhindert zugleich die Entstehung von Wärme-stauungen und Überhitzungen.

Wärmereize auf der bestrahlten Körperseite

Da nur die Steinoberfläche Wärmestrahlen abgibt, wird der Körper nur von der Unterseite angestrahlt. Die Oberseite des Körpers wird konvektiv durch die erhöhte Durchblutung erwärmt. Der Körper reagiert dadurch mit einer erhöhten Schweißsekretion, die zu einer Rundumerwärmung des Körpers führen. Um eine konvektive Entwärmung und Wärmeabstrahlung

Wämezustrahlung auch die Verduns-tung an der Hautoberfläche zunimmt und diese von der Bettdecke aufge-nommen werden kann. Von Vorteil ist auch, dass die Schamottesteine die Dampfmoleküle absorbieren können und diese durch Verdampfung wieder dem Körper zuströmen, sodass

an der Oberseite des Körpers zu verhindern, ist eine Abdeckung des Körpers mit einer Decke wichtig. Auch Zuglufterscheinungen müssen weitgehend verhindert werden. Ferner muss die Decke auch Feuchtigkeit aufnehmen können, es darf also keine Wärmeisolationsdecke verwendet werden. Dem Körper wird nicht gleichmäßig Wärme zugeführt, son-dern die unterschiedlichen Tempera-turreize lösen auch unterschiedliche Wärmereize aus. Fühlt man an der be-strahlten Seite zuviel Wärme, so kann man dann die Körperhaltung ändern, indem man anstelle der Bauchlage die Rückenlage einnimmt.

Geringe Erwärmung des Luftkörpers

Die Wärmeabstrahlung des Steinofens wird vom Luftkörper kaum absorbiert. Daher ist die Ausbreitung der Wärmestrahlen ähnlich wie bei den Lichtstrahlen einer Lampe. Je weiter man sich vom Strahlkörper entfernt, desto geringer ist die Strahlungsintensität. Die Luft ist deshalb für die Wär-mestrahlen durchlässig. Nur Wasser-moleküle in der Luft absorbieren Wärmestrahlen und das Hinweggleiten über die heißen Steinflächen erwärmt zugleich die Luft. Die Lufttemperatur steigt daher nur langsam und unterpro-portional an. Trotz niedriger Lufttem-peratur erwärmt sich der menschliche Körper auf der Ofenbank durch Zu-strahlung von Wärme. Die geringen Lufttemperaturunterschiede zwischen den Räumen erzeugen aber auch weniger Luftbewegungen, sodass keine Zuglufterscheinungen auftreten können. Diese geringe Lufttemperatur beeinträchtigt daher keineswegs das Wärmebad auf der keramischen Ofenbank, es bietet aber auch durch die Zuführung von frischer Luft eine Erholung des Atemapparates. Die

Schleimhäute der Atemwege werden hierbei keineswegs von trockener Luft belastet. Besonders zum Entspannen und Schlafen ist die Einatmung von frischer Luft unumgänglich.

Mildes und intensives Wärmebad

Eine milde Wärmeabstrahlung der Steinofenbank bietet ein langanhal-tendes Wärmebad, das sowohl zum Entspannen der Muskulatur als auch zur Erholung und zum Schlafen dienen kann. Der Körper befindet sich in einem Wä;rmezustand, der keine Überwärmung hervorruft und zugleich die Wärmeregulation positiv beein-flusst. Wärmestauungen, die während des Bades auftreten, führen immer zu Wärmestress, der schließlich zum Abbrechen des Bades führt. Die Wär-mezufuhr wird über die zusätzliche feuchte Wärmeabgabe ausgeglichen, sodass dadurch keine Wärmebelas-tungen entstehen können. Die Musku-latur des Körpers kann sich langsam entspannen und erholen, sodass auch die Durchblutung steigt und die Re-gulations- wie Kreislaufstörungen allmählich wieder verschwinden. Ein intensives Wärmebad ist jedoch dann vorzuziehen, wenn Erkältungen auf-treten und ein starkes Schwitzen, ähnlich einem Fieber, die Gesundung einleitet. Die Oberflächentemperatur der Steinfläche muss dann dement-sprechend höher sein, sodass eine intensive Transpiration angeregt wird. Infolge der hohen Temperaturein-wirkung, die einen starken Wärmereiz hervorruft, muss ein Holzrost unterlegt werden, um den direkten Kontakt mit der heißen Steinfläche zu vermeiden. Das mit starken Wärmereizen durch-geführte Wärmebad kann jedoch nur für kürzere Zeit durchgeführt werden, weil der Körper nicht unendlich lang schwitzen kann und

Rückseite der Steinofenanlage (Kinderzimmer)
die Verdunstungskühlung schließlich abnimmt. Der Körper speichert dann zuviel Wärme, die dann nur in einer Ruhepause oder einem Luftbad ab-geführt werden kann. Da der Körper auch Wärme speichert, kann der Organismus über längere Zeit davon profitieren und so den Erkältungen und Infektionen vorbeugen.

Heizbedarf für eine wohlige Steinoberflächentemperatur

Zur Aufheizung der keramischen Ofenbank ist nur trockenes Holz geeignet, welches eine große Hitze er-zeugt und diese an die keramischen Nachheizzüge abgibt. Die große Speichermasse soll die Wärme sowohl über einen längeren Zeitraum spei-chern als auch langsam abgeben. Um die Steinmasse auf 40– 70 °C aufzu-heizen, bedarf es immer derselben Holzmenge, unabhängig von der Lufttemperatur. Der Feuerraum soll jedoch so groß sein, dass

der Abbrand richtig erfolgen kann und dadurch wenig un-verbrannte Gase, wie Kohlenmonoxid, entstehen. Ferner muss während des Abbrandes das Feuer auch genügend Sauerstoff erhalten, um eine optimale Verbrennung zu ge-währleisten. Wird die keramische Ofenbank nicht benutzt, so kann die darüber streichende kühle Luft die Oberflä-chentemperatur der Ofenbank schneller sinken lassen, so-dass dann ein Nachheizen erforderlich wird und dann eine größere Holzmenge verbrennt werden muss. Für die Raum-erwärmung sorgt schließlich auch die schnelle Wärmeabga-be der Kochplatte, welche die Raumluft schneller erwärmt.

Wenn man auf der Ofenbank ausruht und sich eine Decke überzieht, wird die Wärmeabgabe an den Raum reduziert, sodass das Wärmebad auch über eine längere Zeit ge-nommen werden kann. Trotz niedriger Lufttemperatur kann ein sehr warmes Wärmebad durchgeführt werden mit dem Vorteil, dass der Körper hierbei frische und kühle Luft einatmen kann, ohne zu frieren.

Aufheizen und Speichern der Überschusswärme in der keramischen Ofenbank

Um die große Speichermasse aufheizen zu kö;nnen, bedarf es eines großen Feuerraumes. Nur ein groß;es Feuer kann jene Hitze entwickeln, die auch die keramischen Nachheiz-züge aufheizen kann. Zur Speicherung der Wärme ist ein hitzebeständiges Material wie Schamotte mit geringer Wär-meleitfähigkeit und hoher Speicherfähigkeit unerlässlich. Es soll zugleich feuchtigkeitsregulierend wirken, nämlich Feuch-tigkeit absorbieren und diese wieder abgeben. Die Wohl-fühl-Wärme entsteht allerdings meistens dann, wenn die Steine heiß sind und kein Feuer mehr im Brennraum brennt. Die heißen Steinflächen gewährleisten eine Wärmeabstrah-lung ohne zusätzliche Reibungsströme und elektromagne-tische Felder. So haben Fußbodenheizungen und elektrische Heizdecken stets den Nachteil, dass die Ladungsträger der Moleküle in ihrer Ausrichtung einer Beeinflussung unter-liegen. Daher klagen ältere Leute über das Unwohlsein bei elektrischen Heizdecken oder über dicke Füße bei Fuß-bodenheizungen. Das Liegen auf der Fußbodenheizung entspricht also bei weitem nicht dem Liegen auf einer be-heizten keramischen Ofenbank. Marmor- und andere Steinplatten sind daher also nicht – wie manche Heizungs-techniker glauben – geeignet, um ein wohliges Wärmebad ohne Wärmestress zu erhalten.

Reinhold Holzner

Erschienen in „Kachelofen & Kamin“, Ausgabe 11/2009.